christina boula
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o.T. [Gegenraum] | begehbares Objekt | Spionspiegel |
Haus Frey, Galerie Kunst&Handel, Graz 2010

Wie Roland Barthes über die Sprache schreibt „Sprache, die ihrer Macht entkommen will, sucht die Kehrseite ihrer Identität“ so sucht auch der Zwischenraum die Kehrseite der Identität des Raumes.
Der Spiegel selbst ist gleichsam ein Zwischenraum – ein heterotoper Raum wie bei Focault. Die darin konstruierte Wirklichkeit bleibt stets nur Abbild der Wirklichkeit und schiebt sich als Imagination wie bei Lacan zwischen das Ich und das Reale. Focault schreibt über den Spiegel er sei eine Utopie, sofern er ein Ort ohne Ort ist. Im Spiegel sehe ich mich da, wo ich nicht bin: in einem unwirklichen Raum, der sich virtuell hinter der Oberfläche auftut. Aber der Spiegel ist auch eine Heterotopie, insofern er wirklich existiert und insofern er mich auf den Platz zurückschickt, den ich wirklich einnehme. Der Spiegel ist gleichsam ein heterotopischer Gegenraum.

Begegnen wir auf der einen Spiegelseite außerhalb des Objektes unserem Doppelgänger, so dreht sich im Inneren des Objektes diese Erfahrung um und wir müssen uns mit unserem Gegenüber außerhalb beschäftigen. Unser Narzissmus wird somit im Inneren Lügen gestraft – wir sind gleichsam gefangen und einsam mit unserer Fremdwahrnehmung, denn es gibt im Außen niemanden der auf uns reagieren könnte – im Inneren wird man zum Geist – gezwungen den Narzissmus der anderen, die sich im Spiegel betrachten, mitzuverfolgen.

Denn der wahre Ort hinter dem Spiegel ist nicht der Ort, den wir von außen im Spiegel wahrzunehmen glauben. Es ist ein Ort der Schatten und der Geister, ein Ort der seine reale Entsprechung nur im Bezugssystem zur Wirklichkeit erhält.